Dialektische Erörterungen mit Etherpad 

Didaktische Begründung

Durch die Arbeitsform der dialektischen Erörterung sollen Problemlösefähigkeiten entwickelt werden. Diese Kompetenz kann durch kollaboratives Arbeiten geschult werden. Dazu bietet sich der Einsatz von Etherpad an.

Etherpad

Als Etherpad verwende ich Titanpad. Es handelt sich um einen kostenlosen webbasierten Editor zur kollaborativen Erstellung und Bearbeitung von Texten. Mehrere Personen können von unterschiedlichen Standorten aus in Echtzeit gemeinsam an dem Dokument arbeiten, wobei alle Eingaben allen Teilnehmern sofort sichtbar werden. Jedem Pad wird eine URL zugeteilt. Wer diese kennt, kann das Pad einsehen und editieren.

Hinweise zur Arbeit mit Etherpad

Man sollte direkt eine individuelle URL erstellen. Andernfalls wird automatisch eine Adresse generiert, die sich aus vielen einzelnen Zahlen und Buchstaben zusammensetzt, was die Weitergabe der Adresse an die Schüler erschwert. Individuelle Adressen können erstellt werden, indem man direkt nach der Webadresse den gewünschten Namen eingibt und "Create Pad" auswählt (z.B. www.titanpad.com/10c). 

Vor der Arbeit mit Etherpad sollten den Schülern einige Regeln erklärt werden!

Erfahrungsgemäß nutzen Schüler bei der Erstbegegnung mit diesem Medium das Pad eher zur privaten Kommunikation. Es besteht die Tendenz, statt Argumenten zur Themenstellung zuerst eher Begrüßungsfloskeln und Fragen nach den Freizeitaktivitäten der anderen Teilnehmer einzugeben. 

Des Weiteren lassen sich Schüler leicht von der zusätzlichen Chatfunktion ablenken. Dies kann zu Problemen führen, da zwar die Eingaben im eigentlichen Pad immer wieder überarbeitet, die Daten im Chatfenster jedoch nicht mehr gelöscht werden können, da diese Funktion zur Dokumentation eines Reflexionsprozesses dient. Daher muss darauf geachtet werden, dass Schüler hier keine unangemessenen Kommentare hinzufügen oder sogar auch Namen von Mitschülern nennen. Es steht bei Titanpad zwar ein sehr hilfsbereiter Support zur Verfügung, den man kontaktieren kann und dann auch unerwünschte Chatbeiträge zentral wieder gelöscht werden, jedoch gilt dieses Angebot mit Sicherheit nicht für eine tägliche Betreuung des Projekts.

Außerdem soll das Etherpad nicht dazu genutzt werden, Beiträge von Mitschülern zu löschen.

Angenehmerweise erscheinen die Beiträge der Teilnehmer jeweils in einer anderen Farbe, so dass man schnell erkennen kan, wer der Autor des fachfremden Beitrags ist. Man sollte klar als Regel formulieren, dass derjenige, der sich nicht an die Aufgabenstellung hält, dann nur noch auf Papier weiterarbeiten darf.

Diese Angaben erwecken vielleicht den Eindruck, dass die Kontrolle der Schüleraktivitäten bei der Arbeit mit Etherpad anstrengend ist. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Schüler sehr motiviert sind, mit diesem Medium zu arbeiten und sich daher auch an Regeln halten, wenn diese vorher klar formuliert wurden.

Verlauf der Einheit

Als Lehrperson kann man das Pad bereits vorbereiten. Ich habe für die Erörterung die Themenstellung eingegeben und bereits eine Einteilung in Pro und Contra vorgenommen. Nach gemeinsamer Besprechung der Aufgabenstellung geben die Schüler in diese Struktur ihre Argumente ein. Nach Eingabeschluss steht den Schülern Zeit zur Verfügung, um sich die Beiträge der anderen Teilnehmer durchzulesen und ggf. Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit zu korrigieren. Im Anschluss daran sollen die Schüler im Dreischritt des Think-Pair-Share-Verfahrens ein Fazit aus der Diskussion ziehen. In der Phase der Plenumsdiskussion werden zwei Schüler ausgewählt, die die vorgestellten Meinungen im Pad festhalten. Die Aufteilung der Ergebnisdokumentation auf zwei Schüler hat sich als hilfreich erwiesen, da die Meinungen  in der Regel recht schnell aufeinanderfolgen und die Schüler etwas Zeit zur Eingabe brauchen. Stehen zwei Schüler zur Verfügung, so kann immer im Wechsel ein Schüler den Redebeitrag eines Mitschülers festhalten. Als Hausaufgabe kann die Erörterung in Form eines zusammenhängenden Textes vorgesehen werden, wobei die im Pad dokumentierten Ideen hierarchisiert, miteinander verknüpft und ausformuliert werden müssen. 

MHL 2015