MOOCs im schulischen Kontext

MOOC steht für Massive Open Online Course und bezeichnet Online-Kurse, die für ein breites Publikum angeboten werden. Ein anschauliches Erklärvideo dazu hat z.B. Dave Cormier erstellt. Zu unterscheiden sind xMOOCs (Online-Vorlesungen im klassischen Stil mit begleitenden Aufgabenapparaten) und cMOOCs (Onlinekurse nach konnektivistischem Prinzip). Im MOOC-Maker Course 2013 (#MMC13) kam die Frage auf, inwiefern man diese Kursstrukturen auch auf den schulischen Kontext anwenden kann. André Spang hat bereits erste Gedanken dazu in seinem Wiki notiert. 

Meiner Meinung nach bietet sich das Seminarfach dazu an, da es nach konstruktivistischen bzw. konnektivistischen Prinzipien konzipiert werden soll, denen auch ein cMOOC folgt. 

An saarländischen Gymnasien ist das Belegen eines Seminarfachs Pflicht, wenn auch die Noten nicht in die Gesamtqualifikation für das Abitur eingebracht werden müssen. Zielsetzungen (s. Handreichungen) sind die Förderung von Methodenkompetenz im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens und die gemeinsame Erarbeitung themenspezifischer Inhalte, die fächerübergreifend und -verbindend von hoher Relevanz sein sollen. In diesem Schuljahr biete ich z.B. ein Seminarfach zum Thema "Die spanischsprachige Welt" an. Es gibt Sitzungen, in denen sich die Schüler mit unterschiedlichen Perspektiven des Lernens auseinandersetzen und Sitzungen, in denen die Erkenntnisse auf die Erarbeitung themenspezifischer Inhalte angewendet werden. 

Das Seminarfach könnte demnach so gestaltet werden, dass der Bereich der Schulung der Methodenkompetenz in Form eines MOOC online für alle parallel stattfindenden Seminarkurse angeboten wird, da es hier um Lerninhalte geht, die unabhängig von der thematischen Gestaltung für alle relevant sind. Hier bietet sich daher eine Zusammenarbeit mit den Kollegen und eine Kooperation zwischen den Schülern aller Seminarkurse an. Dies könnte man dann durch Präsenzveranstaltungen ergänzen, in denen in jedem Kurs die themenspezifischen Inhalte erarbeitet werden. Diese könnte man wiederum in den MOOC integrieren und damit auch den Schülern der anderen Kurse vorstellen. Bei meistens 4 parallelen Kursen käme man auf eine Teilnehmerzahl von ca. 100 Schülern, die von 4 Lehrpersonen betreut werden, wobei man sich dabei dem M des OOC mit einer Richtzahl von mindestens 150 aktiven Teilnehmern annähert.

Didaktisches Konzept

Ein MOOCiS (Massive Open Online Course in Schulen) kann nach den didaktischen Prinzipien konzipiert werden, die auch zur Gestaltung anderer MOOCs berücksichtigt werden.

Im folgenden möchte ich die Konzeption aus unterschiedlichen Perspektiven (vgl. Bovet / Huwendiek 2006: 64 f.) darstellen.

Dimension der Erschließung und Sachbegegnung 

Didaktische Modelle können der Gestaltung eines MOOCis dienlich sein.  Das Konzept der Handlungsorientierung kann dabei Berücksichtigung finden. Dieses ist gekennzeichnet durch folgende Merkmale:

Interessenorientierung
Die Schüler wählen sich selbst je nach Interesse und Begabung Themen oder auch Funktionen (Impulsgeber, Experte, Reflektor).

Lernerautonomie
Die Schüler erschließen sich neue Lerninhalte selbstständig, indem sie Informationen recherchieren, aufbereiten, präsentieren und evaluieren. Dabei planen und gestalten sie ihre Lern- und Arbeitsprozesse selbst.

Ganzheitlichkeit
Die Schüler lernen mit Kopf, Herz und Hand. Die Informationsrecherche und -strukturierung ist eine überwiegend kognitive Tätigkeit. Durch die Möglichkeit, die Kursinhalte nach eigenen Vorlieben auszuwählen, wird auch der affektive Bereich berücksichtigt. Eine positive Einstellung zum Lernen führt zu stärkerer Motivation und mehr Ausdauer bei der Bearbeitung von Aufgaben und damit zu größerem Lernerfolg. Die Erstellung eines Produktes zur Präsentation der Inhalte erfordert dann auch "Handarbeit".

Soziales Lernen
In einem MOOC müssen Ziele aufeinander abgestimmt und Tätigkeiten am gemeinsamen Nutzen orientiert werden.

Produktorientierung
Informationen müssen anderen Schülern vorgestellt werden. Dabei ist es gemäß dem Prinzip der Lernerorientierung wichtig, dem Schüler die Wahl zu lassen, in welcher Form er die Inhalte präsentieren möchte (Erklärvideo, Folienpräsentation, Podcast, Blog...).

Auch das didaktische Modell des Konstruktivismus ist von Bedeutung. Der Schüler lernt individuell unter Einbeziehung seiner individuellen Wahrnehmung und Interpretation. Ein MOOC bietet hier besonders gute Möglichkeiten, da z.B. in einem Blog oder in Google+-Beiträgen die vorgestellten Ergebnisse ergänzt und kommentiert werden können, so dass jeder Schüler die Möglichkeit hat, seine Sichtweise in die Erarbeitung eines gemeinsamen Produktes einzubringen.

Dies geht auch über in die Sichtweise des Konnektivismus. Das gemeinsame Produkt entsteht, indem sich Schüler je nach Interessen mit anderen Schülern vernetzen und gemeinsam unterschiedliche Facetten eines Themas analysieren, so dass ein Gemeinschaftsprodukt entsteht, das in Einzelarbeit nicht hätte so umfassend gestaltet werden können. Darüber hinaus nutzen sie digitale Medien, um sich selbstständig Wissen anzueignen. Diese Vorgehensweise fördert zudem das individualisierte sowie auch das kooperative Lernen. 

Dimension der Lenkung, Vermittlung und Instruktion

Die Rolle der Lehrperson ist die des Gastgebers. Sie hat die Aufgabe, einen thematischen und zeitlichen Rahmen zu setzen und den Kurs zu betreuen.

Die Rolle der Lernenden ist die der Teilgeber. Sie belegen das Seminarfach und müssen sich aktiv an der Gestaltung des Kurses beteiligen. Phasenweise werden sie auch die Rolle der Gastgeber übernehmen. Wie bereits oben beschrieben steht die Förderung der Lernerautonomie im Vordergrund.

Dimension der Beteiligung, Kommunikation und Erziehung

Alle Schüler werden aktiviert und sind angehalten, Verantwortung für bestimmte Themenbereiche bzw. Erarbeitungsphasen zu übernehmen. Zum Austausch werden digitale Medien genutzt. Der Kurs soll demokratisches Denken fördern und die Schüler zu selbstständigem Lernen befähigen, das die Voraussetzung für lebenslanges Lernen ist.

Dimension der Aneignung, Erfahrung und Konstruktion

Die Schüler sollen sich Wissen selbstständig erarbeiten und ihre Sichtweise nach konnektivistischem Prinzipien erweitern. Dabei werden Erfahrungen der Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen.

Methodische Vorüberlegungen

Schüler nutzen in der Regel nur wenige digitale Interaktionsmöglichkeiten. Der Austausch findet hauptsächlich über Facebook und Whats App statt. Bei einem MOOCiS wären jedoch auch Alternativen wie Blog, Wiki, Twitter, Google+ und Youtube sinnvoll. Nun ist zu überlegen, ob Schüler sich Fähigkeiten im Umgang mit Social Media selbstständig erarbeiten können im Laufe des MOOC oder ob es sinnvoll wäre, einen Vorkurs zu konzipieren, in dem zuerst Präsentations- und Kommunikationstechniken zumindest kurz vorgestellt werden.

Oft werden im Seminarfach Themen wie Lerntheorien in arbeitsteiliger Gruppenarbeit behandelt. Dies ist in einem MOOCis nicht sinnvoll, da evtl. jede Gruppe ein anderes Präsentationsmedium einsetzt und man sich die Einzelaspekte auf verschiedenen Plattformen zusammensuchen muss. In dieser Organisationsform ist die Vergabe von Themenblöcken an Gruppen die geeignetere Vorgehensweise. Innerhalb der Gruppe entscheiden die Schüler, ob sie arbeitsteilig oder arbeitsgleich vorgehen wollen, wobei in beiden Fällen ein gemeinsames Produkt entsteht.

- Fortsetzung folgt - 


Beiträge anderer MMC13-Teilnehmer

Kraft, Simon: #WTF, MOOCs in der Schule?! (26.01.2013)

Spang, André: Massive Open Online School (26.01.2013)


Literaturverzeichnis

Monografien

Bovet, Gislinde; Huwendiek, Volker (2006): Leitfaden Schulpraxis. Berlin, Cornelsen Verlag Scriptor.

Internetquellen

Konnektivismus als Lernmodell der Zukunft (26.01.2013)

MHL 2015