Reflexion von Unterricht

Bei dem folgenden Artikel handelt es sich um einen Beitrag zu Torsten Larbigs Blogparade, zu deren Teilnahme @herrlarbig über Twitter eingeladen hat.

Da ich in der Lehrerausbildung tätig bin und Beobachtung und Evaluation von Unterricht zu den Professionsstandards gehört, muss ich zur Vermittlung von Reflexionsmethoden diese selbst erproben. Aber auch für die Entwicklung eigener Kompetenz ist es wichtig, Routinen immer wieder zu hinterfragen und neue Methoden, die man ausprobiert, auf ihre Effektivität hin zu untersuchen. Hier ein Ausschnitt aus möglichen Vorgehensweisen.

  • Hilfen zur Reflexion

Als Basis zur Reflexion können verschiedene Kriterienkataloge oder Konzepte dienen. 

Hilfreich zur Evaluation einer Unterrichtsstunde können die Handreichungen zum Lehrprobenentwurf (s. Gliederung) sein. Diese sind zwar als Planungshilfe konzipiert, können meiner Meinung nach aber auch sehr gut verwendet werden, um im Anschluss an eine Stunde zu überprüfen, an welchen Stellen Schwächen in der Analyse der Lerninhalte bzw. in der didaktisch-methodischen Konzeption aufgetreten sind.

Als Evaluationsintrument verwende ich auch sehr gerne den Selbsteinschätzungsbogen von Prof. Dr. Andreas Helmke. Es treffen vielleicht nicht immer alle Items auf alle Schulformen oder Fächer zu, jedoch stellt diese Vorlage meines Erachtens eine übersichtliche Auflistung wichtiger Kriterien zur Auswertung dar.

Als Basis für eine Nachbetrachtung kann auch das Konzept der Themenzentrierten Interaktion (TZI) hinzugezogen werden. Das Modell findet zwar hauptsächlich in der kollegialen Beratung Verwendung, jedoch lässt sich auch individuell sehr gut damit arbeiten.

Diese Vorgehensweisen sind sehr unterschiedlich. Die Entscheidung für die ein oder andere Methode kann abhängig sein von der jeweiligen Situation oder der zur Verfügung stehenden Zeit.

  • Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlplanungen

Die Elemente der oben genannten Evaluationsinstrumente berücksichtige ich bereits in der Planung. Unterrichtsstunden konzipiere ich unter Verwendung digitaler Medien, wodurch Überarbeitungen wie Umstrukturierungen und Korrekturen sehr schnell durchzuführen sind. Nachdem eine Stunde entworfen ist, überprüfe ich meine Entscheidungen nochmals mit Hilfe der oben genannten Reflexionsmethoden, wodurch einige Schwächen bereits im Vorfeld erkannt und entsprechende Veränderungen vorgenommen werden können.

  • Reflexion von Unterrichtsstunden

Da in der Regel in allen Stunden, die ich halte, Referendare hospitieren, bespreche ich jede Stunde mehr oder weniger ausführlich im Anschluss. Dabei begründe ich meine didaktisch-methodischen Entscheidungen und evaluiere meine Planung und die unterrichtspraktische Umsetzung. Dies dient einerseits zur Verbesserung meiner Unterrichtstätigkeit und auch zur Hervorhebung, welche Vorgehensweisen nicht unbedingt von den Referendaren übernommen werden sollten.

  • Arbeit mit den Erkenntnissen aus der Analyse

Ein von Herrn Larbig erwähntes Arbeitsjournal führe ich nicht. Meiner Arbeitsweise kommt es wenig entgegen, Erkenntnisse chronologisch zu dokumentieren, sondern vielmehr dort festzuhalten, wo sie auch weiterhin direkt Verwendung finden können. Dabei notiere ich nicht konsequent alle Ergebnisse aus Stundenevaluationen, da ich mich normalerweise lange Zeit an Planungsschwächen erinnere. Vielmehr füge ich alternative Vorgehensweisen oder Verbesserungsvorschläge, wenn sie themenspezifischer Natur sind, nachträglich in die digitale Unterrichtsplanung ein. Sind die Änderungsmöglichkeiten allgemeiner Natur, nehme ich sie in mein persönliches Methodenrepertoire auf, das ich über die Jahre hinweg in einer Datei angelegt habe.

MHL 2015